Leadership

Business-Resilienz: Der Anker im stürmischen Jahr 2023

Dinge, die unerwartet über uns hereinbrechen, nennt man auch „Black Swan“ – eigentlich weil ein schwarzer Schwan so selten ist, dass man nicht weiß, wo und wann er auftaucht. Allerdings habe ich langsam den Verdacht, dass solche Tiere sich immer häufiger einnisten: Kaum dachten wir, Corona sei bald geschafft, kam der Ukrainekrieg. Die Inflation folgte, und das Thema Klimawandel gestattet sowieso keine Bedenkzeit mehr. Was all diese Krisen gemein haben: mit ihnen kommen etliche Herausforderungen, die die Widerstandsfähigkeit vieler Menschen und Unternehmen immer weiter strapazieren. 

Aber wie lassen sich unvorhersehbare Umbrüche in den Griff bekommen? Geht das überhaupt?

Wie schon in den letzten Jahren, haben wir auch dieses Jahr wieder unsere Führungskräfte und technischen Fachleute befragt, was die nähere Zukunft für uns bereithält:

Mit Prognosen Richtung Resilienz 

Scheinbar ein Widerspruch: Prognosen sollen helfen, Entwicklungen zu meistern, die man nicht vorhersehen kann? Was definitiv absehbar ist, das ist die „Gewissheit der Ungewissheit“. Und je mehr ich weiß, desto besser bin ich für das Ungewisse gerüstet. Ich denke, in diesem Punkt sind wir uns einig. Es ist zugleich der Punkt, an dem Resilienz ins Spiel kommt. Denn Business-Resilienz ist die Fähigkeit, Unerwartetes zu verkraften, Disruptionen abzufangen und das operative Geschäft unterbrechungsfrei einsatzbereit zu halten.

Business-Resilienz setzt daher ein hohes Sicherheitsniveau voraus und eine Anwendungsumgebung, die nicht so leicht aus dem Takt zu bringen ist. Wichtig ist außerdem, dass diese Resilienz das gesamte Unternehmen erfasst, sich also ein Mindset ausbildet, das die gesamte Struktur und alle Assets ebenso wie Ziele und Strategien kritisch auf ihre Anfälligkeit gegenüber Risiken – und das beinhaltet auch Worst-Case-Szenarien – hin durchleuchtet. Oder in anderen Worten: Resilienz wird erst dann wirklich möglich, wenn die Datenkultur im Unternehmen so aufgestellt ist, dass durchgängig Observability und Security herrscht.

Unsere Prognosen sagen nicht, welche Herausforderung wann genau wo aufkommen. Aber wir benennen die Themenfelder, die verschärfte Aufmerksamkeit erfordern, sich abzeichnende Zwickmühlen, aber auch lohnende Chancen. Die folgenden ausgewählten Prognosen vermitteln einen guten Eindruck, welche Vorteile sich so erringen lassen.

Orientierungspunkte für mehr Geschäftsresilienz

Im Folgenden findet ihr meine 7 persönlichen Highlights der Splunk-Prognosen für das Jahr 2023

Leadership-Trends und neue Technologien
 

  • New Work: Nach der pandemiebedingt expandierten Telearbeit herrscht jetzt vielfach Unsicherheit, welche Arbeitsmodelle Zukunft haben. Vor allem bei Hochqualifizierten werden wir die “Great Renegotiation” der Verträge erleben. Es wird schwierig, unsere wertvollsten Mitarbeiter zu halten. Der Purpose muss glaubhaft sein, die schwierige Suche nach Fachkräften muss kreativer werden – nicht mehr bloß an Skills orientiert, sondern z. B. auch stärker an Begabungen.

  • Deglobalisierung: Die weltweite digitale (und logistische) Vernetzung ist zuletzt mit einigen gefährlichen Klippen kollidiert. Strenger regulierte Datenstandorte von rund 50 Ländern waren und sind Alarmsignale, denn rund 92 % der in der westlichen Welt gesammelten Daten sind in den USA gespeichert. Entsprechend besorgt sind Regierungen in Bezug auf ihre digitale Souveränität.In der EMEA-Region sollten Unternehmen sich immer mehr auf Gesetze einrichten, die Datenschutz und Datenstandort regulieren. Das bedeutet Deglobalisierung von Datenströmen, was im internationalen Geschäft nur durch sorgfältige Auswahl von Anbietern funktionieren wird.
     

Datensicherheit
 

  • Cybercrime-as-a-Service: Mit unserer letztjährigen Prognose, dass Ransomware-Banden mehr und mehr geschäftsmäßig vorgehen würden, hatten wir (leider) recht. Ransomware und andere Malware sind zum Geschäftszweig geworden. Das SOC zu automatisieren wird also existenziell nötig. Vor allem, um der Aufrüstung der Angreifer und dem Mangel an Fachkräften zu begegnen.

  • CISOs als Resilienzverantwortliche: Was ist der Grund für Systemausfälle? Letztlich ist das zweitrangig. Ein Incident ist ein Incident – egal ob es sich um einen Fehler auf Infrastrukturebene handelt, ein Performance-Problem einer App oder einen Angriff von außen. Wenn die Resilienz des Unternehmens gefährdet ist, muss das Problem schnell gefunden und (mit Automatisierung dauerhaft) behoben werden. CISOs gewinnen mit dieser weiter gefassten Incident-Definition im ganzen Unternehmen an Bedeutung und reden bei Entscheidungen im gesamten Betrieb mit. Sie werden verantwortlich für die Festlegung von Prozessen und Tech-Investitionen, die mit der Aufgabe Cyberresilienz zu tun haben – und werden damit zu einer Art “Chief Resilience Officer”.
     

IT und Observability
 

  • DX im Fokus: Für 2023 ist makroökonomische Ungewissheit keine Prognose, sondern eine Feststellung. Auch wenn IT-Budgets vielleicht nicht schrumpfen, werden sie garantiert haargenau geprüft. IT-Investitionen müssen also messbar wertsteigernde Ergebnisse liefern. Und da nichts schneller davonläuft als Kunden, die Frust und Fehler durch schlechte Systeme erleben, rückt die Digital Experience (DX) in den Fokus. Hochverfügbare, nahtlose digitale Kundenerlebnisse müssen geschaffen werden – vor allem in Cloud-nativen Unternehmen.

  • Konvergenz von Security und Observability: Ob Cloud-basiert oder on premises – entscheidende Daten können nicht länger in Silos liegen. Die Konvergenz von Daten und Tools in den Bereichen Security und Observability entscheidet jetzt also über Stabilität und Belastbarkeit digitaler Systeme. DevSecOps müssen dabei integraler Bestandteil der eigenen Best Practices werden. Unternehmen, die in diesem Bereich schon weit fortgeschritten sind, reduzieren die Anzahl ihrer Anbieter merklich. Denn sie wissen: Punktlösungen, die nur einen Ausschnitt der Lage erfassen, bringen in puncto Resilienz gar nichts.
     

Mehr Details zu den Prognosen oben und zu über 30 weiteren spannenden und fundierten Detailaussagen gibt es in unseren drei Reports mit Prognosen und Überlebensstrategien für 2023. Diese können Unternehmen helfen, in erheblichem Ausmaß Resilienz aufzubauen. Dass dafür Ressourcen notwendig sind, versteht sich von selbst.

Die gute Nachricht ist aber: Das erspart im Ernstfall – man denke an den Black Swan! – wesentlich höhere Aufwände und Kosten. Und in den meisten Fällen machen sich die Investitionen aber allein schon durch die damit verbundenen Wettbewerbsvorteile bezahlt – auch ohne überraschende Zwischenfälle.

 

 

Petra Jenner ist Senior Vice President und General Manager für Europa, den Nahen Osten und Afrika bei Splunk. Vor ihrer Tätigkeit bei Splunk war Petra sechs Jahre lang bei Salesforce in verschiedenen Funktionen innerhalb der EMEA-Region tätig, zuletzt als General Manager, Senior Vice President mit Verantwortlichkeit für Osteuropa und die Schweiz. Während ihrer mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Technologiebranche begleitete sie bereits diverse Führungspositionen, unter anderem bei Microsoft, Checkpoint und Pivotal. Petra hat einen Master-Abschluss in Wirtschaft und IT und studierte Internationales Management an der Stanford Graduate School of Business in Singapur.